Der Digital-Soziale Tornado

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Der Blick in die Zukunft kennt viele Perspektiven - Glaube, Schönheit, Geld und Technik - dahinter verbergen sich Fragen wie kommerzielle Interessen, das Verständnis von Recht, die Sicht der Verbrecher, unterschiedliche Wahrnehmungen und Träume.

Wer die Gegenteilstheorie kennt (leider sind es weiterhin viel zu wenig) weiss, das Universum hat stets eine Überraschung parat. So wird Innovation relativiert. Das alte Wiener Hobellied von Ferdinand Raimund aus dem Jahr 1834 singt:
"Da streiten sich die Leut' herum
oft um den Wert des Glücks;
der Eine heißt den Andern dumm,
am End' weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
dem Andern viel zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt alle gleich".

Plötzlich verschieben sich Werte, was gestern noch bedeutsam war, ist auf einmal egal. Ein wenig dieses Gefühls erleben wir derzeit mit dem Corona Virus. Das Rennen um die beste, richtigste, weltverbessernste Innovation wird auf einmal ausgebremst durch eine völlig andere Kraft. Das beeinflusst auch, wie ich über Innovation denke. Es kommt immer anders, das nimmt mich nicht aus,


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29. März 2020, 19:54

Virtuelle Teamarbeit

Eine interessante Erfahrung, die ich schon vor langer Zeit gemacht habe, war die Zusammenarbeit mit Japanischen Gruppen mittels Englisch-Japanisch Dolmetscher. Ich war verblüfft, wie gut das ging. Es gelang, auch relativ komplexe Themen in kürzerer Zeit zu vermitteln als es mit deutschen Gruppen gegangen wäre. Der Grund war eigentlich ganz einfach: Wegen des Dolmetschers haben beide Seiten automatisch das, was sie sagten, verkürzt, also auf den Punkt gebracht. Außerdem hatten beide Seiten jeweils mehr Zeit zum nachdenken, wegen der Übersetzungspausen. Die Stimmung war daher konzentrierter, das Ergebnis klarer.
Einen ähnlichen Effekt erlebe ich derzeit bei virtuellen Meetings. Bei ihnen lässt sich das sonst übliche dahinwursteln im Meeting relativ leicht auflösen, indem man mittels einfacher Visualisierungstechniken (ich benutze das klassische PowerPoint) das gesagte reflektiert und zu einem Konsensbild führt. Die Bereitschaft der Beteiligten, sich einer Führung zu unterwerfen ist dabei wesentlich größer als bei einem Präsenzmeeting. Es ist dabei allerdings so, dass tatsächlich eine Person führen muss. Das bedeutet nicht, dass andere nicht mitgestalten können, aber sie müssen sich bereits im Gespräch so klar ausdrücken, dass die führende Person das Ergebnis richtig protokollieren kann,
Letztendlich ist der Effekt, dass das Protokoll der Inhalt des Gespräches ist. Das zu gestalten, darum rankt sich das Meeting.
Und das ist innovativ.

Redakteur

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22. März 2020, 21:36

Home Office

Der erste Lagerkoller ist durch, das schlimmste sind die immer weiteren Klopapierwitze. Wieso kann der Deutsche ein schicksalhaftes Trauma am besten mit einem Humor aushalten, der an Kinderwitze über Kacka erinnert? Der Umgang mit der eigenen Ohnmacht beginnt wohl mit der analen Phase, würde Freud sagen. Das Home Office geht ans Intime.
Was ist am Home Office innovativ? Vermutlich die Erfahrung, dass es erstaunlich gut klappt. Dass es ganz ok ist, wenn kleine Töchter zwischendurch nach den Eltern rufen, dass das kollektive Anerkennen des Mischens von Privatem und Job eine erfrischende Entfunktionalisierung des Arbeitslebens ist und die Menschen, die den Job machen, ganz anders erscheinen, wenn sie es aus ihrem privaten Raum heraus tun. Es ist das Gegenteil einer strikten Trennung von Person und Leistung, die zuletzt, zum Schutz Benachteiligter, im Vordergrund stand, die aber andererseits in ihrer beharrlichen Strenge viele entfremdet hat.
Dank Corona können wir nun den nächsten Schritt gehen und die Verschiedenheit nicht nur nicht ablehnen, sondern aktiv leben mit aller Anerkennung der vielfältigen Lebensformen.
Es wird natürlich zur nächsten Welle absurder Verhaltensmuster führen: Der Kampf der Eitelkeiten um das coolste HomeOffice-Erscheinungsbild wird bald losgehen. Ich sehe schon Hintergrundbildvermarkter. Die alte Fototapete könnte wieder auferstehen, oder Hintergrundfilme: Märchenprinzen und -prinzessinnen in Unterwäsche, die vorgeblich zufällig im Hintergrund vorbeihuschen, Sprechtexte von hochbegabten Kindern als Einspieler oder deren Musikübungen: „sorry, das ist keine Aufnahme, das ist meine Tochter, die da Rachmaninow spielt, sie ist vier …“.
Wir stehen vor eine Zeit voller Möglichkeiten!

Redakteur

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15. März 2020, 21:05

Krise

Auf einmal ist alles anders. Zuhause bleiben, in sich horchen: war das ein trockener Husten? andauernd Händewaschen, Abstandhalten bei Begegnungen. Die Erinnerung an die Zeit davor verblasst in rasender Geschwindigkeit, die Medien kennen nur noch ein Thema. Das interessante ist: keiner weiß, woran er ist, der Gegner ist nicht greifbar, auch die veröffentlichen Zahlen beziehen sich ja nur auf das Gemessene – und was wird alles nicht gemessen? Auf einmal beherrschen wir sie nicht mehr, die Welt.
Die einen blühen auf angesichts dessen, dass endlich was los ist, was alle betrifft, die anderen werden depressiv vor Zukunftsängsten, den dritten wird langweilig. Die Karten sind völlig neu gemischt.
Innovation im Turbomodus.
Das Gute ist: Die Gesellschaft als Ganzes wird auf die Probe gestellt. Eskapaden der Optimierung und des Größenwahns, in welche Richtung auch immer, die wir zuletzt erlebt haben, werden bloßgestellt.
Das Beste ist: der Trend, sich andauernd gegenseitig Versagen vorzuwerfen, ist erst einmal gestoppt. Vielleicht ist das ein guter Anfang.

Redakteur

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07. März 2020, 21:08

Corona

Nichts treibt Innovation so voran, wie die Krise. Nun könnte es sein, dass Corona der Digitalen Welt endgültig zum Durchbruch verhelfen wird. Der Mensch begibt sich in Isolation und verkehrt mit der Welt nur noch über digitale Dienste und Lieferservices. Ein Paradies für die Digitalisierungsindustrie.
Natürlich können dringend notwendige Tätigkeiten, bei denen Menschen sich begegnen, weiterhin stattfinden, oder auch so etwas wie Familienleben - jedoch in abgeschotteten Gruppen, deren Gesundheitszustand kontinuierlich überwacht wird. Damit ist eine epidemische Verbreitung praktisch ausgeschlossen.
Sieht so unsere Zukunft aus? Es gibt natürlich auch andere Szenarien. Reduzieren des globalen Massentourismus, zurückfahren global hochoptimierter Lieferketten, das alles zugunsten robusterer und lokalerer aber weiterhin vernetzter Prozesse. Einsehen, dass Krankheiten immer Bestandteil des Lebens sein werden und wir die Idee, alles komplett zu jeder Zeit beherrschen zu müssen, besser aufgeben …
Ich bin gespannt, wohin das Pendel schlägt.

Redakteur

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01. März 2020, 22:08

Internet Briefmarke

Es schmerzt, aber ich habe sie tatsächlich benutzt. Es war Sontag Abend und ich wollte einen Brief versenden mit einem ungewöhnlichen Porto. Natürlich hatte ich keine auch nur annähernd passende Marke da. Also beging ich den Schritt: Anmelden bei der Post, link auf das Paypal Konto anlegen und schon konnte ich mir die Marke zum Selbstdrucken herunterladen.
Ausgeschnitten, aufgeklebt, fertig. Das dumme ist: sie ist hässlich. Ein blöder Barcode plus ein paar kryptische Zeichen und als letztes Relikt das Posthorn. Der Preis der Effizienz ist der Verlust der Kultur. Ist das so?

Redakteur

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23. Februar 2020, 21:23

Streit

Eine uralte Erfindung der Sozialen Gemeinschaft ist der Streit. Gedanken, Wahrnehmungen und Ideen unterschiedlicher Natur prallen aufeinander und müssen irgendwie ausgetragen werden um es weiter miteinander auszuhalten. Das endet je nachdem im Kompromiss, in Unterdrüsckung, in Krieg oder sonstwie und dieser Vorgang wiederholt sich seit Anbeginn der Menschheit immer aufs Neue.
Denn er ist ihr Antrieb. Streit ist Innovation! Nur durch den Streit entwickelt sie sich, verändert sie sich, versteht sich selbst halbwegs während sie Welt sich ebenfalls permanent verändert. Der Streit sorgt dafür, dass wir überlegen, was wir wollen und wer wir sind und es uns nicht bequem machen im Zustand wie er ist.
Wer streitet ist verletzlich. Wir haben daher zuletzt versucht, den Streit abzuschaffen. Durch das kollektive Festlegen auf eine gefühlte Wahrheit, durch immer feinere Regularien, die uns vor jedem Unbill schützen und durch Digitale Verfahren, die ausrechnen, wem was zusteht. Wir haben dabei unsere Urkompetenz, den Konflikt, abgegeben.
Dadurch ist der Populismus entstanden. Ein paar streitlustige Wüstlinge haben die Schwäche des nicht mehr streiten Könnens erkannt und einfach draufgehauen. Lustvoll und begleitet vom Gejohle einer Anhängerschaft, die plötzlich wieder Leben spürt, egal mit welchen Werten.
Als aktuelles Beispiel: Das Drama von Thüringen lösen wir nicht durch Nachgeben und nicht durch das Vermeiden von Streit, sondern wir lösen es durch deutlich machen von Positionen. Erst wenn das geschehen ist, ist ein Kompromiss möglich. Das macht derzeit die Linke gut aber auch Paul Zimiak von der Union, der sogar kurzfristig herbe Verluste akzeptiert.
Die Aufgabe der Medien wäre es jetzt, so einen Streit souverän zu moderieren. Das schaffen sie leider derzeit nicht, weil sie, anstatt die Rolle des Moderators einzunehmen, sich lieber selbst in den Mittelpunkt der Show stellen um die Politiker vorzuführen wie Bullen am Nasenring. Das ist derzeit deren Problem.

Redakteur

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16. Februar 2020, 18:16

Evolution

Sind Innovation und Evolution Verbündete oder Gegner? Schwer zu sagen. Währen Innovation versucht, durch kreative Kraft die Welt zu verändern, überlässt die Evolution das Kreative dem Zufall und der unendlichen Vielfalt der Möglichkeiten.
Was wir dabei bedenken sollten: Das Wirkprinzip der Natur und damit allen Lebens ist die Evolution. Auch wenn einige an den „Creative Designer“ glauben, die Göttliche Gestalt, die sich die Welt weise so ausgedacht hat, wie wir sie erleben, aber das ist dabei egal, denn dieser Creative Designer entzieht sich unserem Einfluss sogar noch mehr als die immerhin sehr irdische evolutionäre Kraft.
Das Gesetz der Evolution ist bekannt: „survival oft he fittest“ – die Anpassungsfähigsten überleben. Dabei geht es um die Rahmenbedingungen, an die es sich anzupassen gilt und die sich fortwährend ändern. Aus einer eigenen Dynamik heraus oder aufgrund irgendwelcher Ereignisse, die wird üblicherweise Katastrophen nennen. Das hat nichts mit Innovation zu tun, die einzelne Aspekte kreativ entwickelt, in der Regel um eine bestimmte Situation in ihrem Kontext für bestimmte Beteiligte zu verbessern. So ist beispielsweise die Innovation der Mausefalle nur aus der Perspektive der Menschen eine Verbesserung, aus der Perspektive der Maus stellt sich das völlig anders dar.
Innovation scheint in diesem Spiel das Verschieben der Macht zu sein, tatsächlich ist Innovation aber nur das Verändern der Rahmenbedingungen. Auf diese Veränderung wiederum reagiert die Evolution, mit unendlichen Versuchen, in der Regel mit unvorhersehbaren Effekten, wie etwas resistenten Keimen als Reaktion auf Antibiotika. Das bedeutet nicht, dass Innovation schlecht ist, nur sollten wir uns bewusst sein, dass das kreative Design der Innovation sicher häufig schön ist, doch nie vollkommen. Das ist wenn dann einem Wesen vorbehalten, das wir nicht sind und wären wir es, wäre es das Ende des Lebens.

Redakteur

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09. Februar 2020, 12:17

Der Fehler der Linken

Die ganz große Erfolgsgeschichte der letzten 50 Jahre ist die Linke. Entfesselt im Jahr 1968 hat die damalige junge Bildungsschicht sich von den Konventionen befreit, allen voran der der Religiösen, konsequent neue, humanistisch säkulare Positionen eingeübt und diese im Marsch durch die Institutionen hartnäckig durchgesetzt. Sie haben die Welt auf eine nie dagewesene Art und mit einem nie dagewesenen Erfolg verbessert. Im Sinne von Friedlichkeit, Wissenschaftlichem Fortschritt, Lebensqualität.
Und doch scheitert sie gerade. Und sie versteht nicht warum.
Das Problem ist, dass die Linke ein nahezu perfektes Wissen von Richtig und Falsch erzeugt hat. Sie ist nicht mehr in der Lage, an sich selbst zu zweifeln, sondern schafft es nur, sich über die anderen aufzuregen, die sie plötzlich rechts überholen. Mit oft brutalen, menschenverachtenden, verlogenen, ehrlosen Mitteln.
Was ihr verloren gegangen ist im streben nach der perfekten Gesellschaft ist die Großzügigkeit. Das Zulassen von Fehlern, das Zulassen von Andersartigkeit und dem Willen, anders zu denken ohne sofort von einem übermächtigen Verhaltensregulatorium geschluckt zu werden.
Die Linke ist in Ihrer Macht vergleichbar mit der katholischen Kirche vor der Renaissance. Aber die Menschen leben davon unvollständig zu sein, und das tun sie gerade.

Redakteur

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09. Februar 2020, 12:00

Kulturland

Innovation hat viele Aspekte und vor allen Dingen viele Feinde. Und das ist gut so. Innovation ist letztendlich nichts anderes als Evolution und die lebt davon, dass sie alles Neue mit brutaler Gnadenlosigkeit auf die Probe stellt und nur sehr wenige große oder häufig sehr kleine Änderungen überleben lässt.
Das ist das Dilemma der heutigen Zeit. Sie ist innovationssüchtig, harrt begierig auf das „next big thing“, das neue sensationelle Stars wie Apple, Facebook oder Google hervorbringt oder, noch besser, diese titanenhaft bekämpft. Auf der anderen Seite hängt die Gier der Zeit in einer selbstgestellten Falle: Geld will mehr Geld werden durch ständig neue Attacken auf dem Technologiemarkt und die erfolgreichen Technologieunternehmen kämpfen verzweifelt um ihr Innovationsimage um ihren Aktienkurs oben zu halten. Dazu müssen sie laut sein, groß sein, permanent begeistern.
Die ungemähte Wiese der Tech-Themen ist erst einmal abgegrast und übrig sind im Wesentlichen schwer verdauliche Pflanzen. Die Revolution ist vorbei, jetzt sind erfolgreiche Farmer gefragt. Wie mache ich aus dem, was wir da geschaffen haben, Kulturland? Nach dem Gemetzel der ökonomischen und sozialen Disruption. Bildhaft gesprochen haben wir zuletzt begeistert den Regenwald abgebrannt und sollten uns als nächstes überlegen, wie wir einerseits ohne weiteren Raubbau weitermachen, andererseits auch, wie wir wieder aufforsten.
Es sind die kleinen Dinge, es ist das Beschäftigen mit dem, was Kulturland ausmacht: das Zusammenspiel derer, die beteiligt sind, das gemeinsame Interesse, auch das nachgeben Können, im Sinne des Ganzen. So entsteht Erfolg in einer Zeit nach der Revolution.

Redakteur

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08. Februar 2020, 19:04

Grenzen

In letzter Zeit erlebe ich immer öfter kleine Fehler. Chat-Tools geben falsche Zeiten an, wann Anwender zuletzt online waren, Termineinträge verschwinden auf dem Smartphone, CarSharing Fahrzeuge lösen sich plötzlich in nichts auf … . Und ich frage mich, woran das liegt. Tatsächlich ist es offensichtlich: Es liegt an der Komplexität der Welt. Und daran, dass einzelne Teile sich unabhängig voneinander verändern. So schleichen sich Fehler ein, weil auf einmal ein Informationsfluss unterbrochen ist, ein digitales System das andere missversteht – ganz normal, wie unter Menschen auch.
Die große Frage ist ja dann, was das bedeutet. Die Antwort ist ebenfalls offensichtlich: mache die Dinge nicht zu komplex! Speziell die digitalen Lösungen, auf die wir uns gerne verlassen würden. Das entspricht auch meiner Industrieerfahrung. Am besten funktionieren die Dinge, die sich gut abgrenzen lassen. Danach kommen die Dinge, die von Natur aus Fehlertolerant sind, weil irgendwo dich wieder ein Mensch die Entscheidungen übernimmt.
Am schlechtesten funktionieren die, die über unterschiedliche Themengebiete hinweg automatisieren wollen. Es ist eigentlich ganz einfach und steckt dennoch voller unendlicher Möglichkeiten.

Redakteur

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