Der Digital-Soziale Tornado

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Der Blick in die Zukunft kennt viele Perspektiven - Glaube, Schönheit, Geld und Technik - dahinter verbergen sich Fragen wie kommerzielle Interessen, das Verständnis von Recht, die Sicht der Verbrecher, unterschiedliche Wahrnehmungen und Träume.

Neuausrichtung im Jahr 2019: Digitale Dramen

Der Verlauf der Menschheitsgeschichte spiegelt sich im Drama. Die Erzählform, die das, was geschieht, in all seiner Widersprüchlichkeit und Konfliktbeladenheit wiedergibt. Groß geworden im alten Griechenland, wiederentdeckt nach der Renaissance und heute im Wesentlichen aus Filmen bekannt, seine originale Bühne, das Theater, kennen nur noch wenige.

Das Drama unterscheidet sich vom Heldenepos dramatisch. Das eine ist voller Zweifel und Nachdenklichkeit, das andere vollere Bewunderung für ein Vorbild. Der Heldenepos spricht für ein gläubiges Publikum, das Drama für jenes, das bereits hinter den Glauben gesehen hat und sich von seinen Göttern emanzipiert.

In den Digitalen Geschichten stecken wir heute noch im Heldenepos, ab und zu durchdrungen durch Schurkengeschichten, eine Vielgötterei hinter der wir herrennen um herauszufinden, welcher der Götter uns wohlgesonnen ist. Das wird nicht ewig währen. In der Antike hat der Trojanische Krieg die Heldengeschichten abgelöst, in der Neuzeit der Dreißigjährige Krieg. In der Digitalen Welt haben wir andere Konfliktmöglichkeiten, aber wir sollten anfangen, die Digitale Welt auch in Dramen zu denken. Eine neue Richtung der Innovation.

Ich werde daher denn Schwerpunkt dieser Website auf diese Dramen verlagern – angefangen mit dem Cartoon-Projekt „Digital Sozialer Tornado“.

Der Innovationsblog bleibt bestehen, wird aber sein Tempo reduzieren.

 

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22. Dezember 2019, 20:59

Akkuschrauber

In den letzten Tagen wurde ich in kurzer Folge mit Überraschungen der Innovation konfrontiert. Zuerst hatte, wie im vorherigen Blog schon erwähnt, auf einmal eine staatliche Behörde, die ich durchaus schätze, meine Handynummer, obwohl ich mir nicht erklären kann, woher. Dann war, wie zuletzt öfters, das von mir reservierte Carsharing Auto nicht da, diesmal allerdings mit „Ansage“, als ich da war, sagten sie mir, es sei nicht da. Dann fing mein Smartphone auf einmal an, die SMS-Dialoge meiner Kontakte fröhlich zu vermischen und nach Gutdünken da oder dorthin zu senden.
Gleichzeitig strich ich die Tage die Wohnung meiner Schwiegermutter. Das hieß auch: Fußleisten abschrauben. 50 Schrauben mindestens, mit dem geliehenen Schraubenzieher der Nachbarin. Beim Montieren hatte ich dann meinen Akkuschrauber dabei. 50 Mal „Ffft“ und alles war fertig. Es war so schön. Diese Innovation macht mich immer noch so glücklich, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie die Menschheit ohne sie auskam.

Redakteur

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16. Dezember 2019, 22:30

Sicherheit

Gestern Abend hörte ich meinen Anrufbeantworter ab, ein uraltes Gerät, das tatsächlich noch Anrufertexte bei mir im Regal auf einem Chip speichert. Da las mir dieses Gerät einen sehr widerlichen Reim aus dem Nazi-Milieu vor, mit jugendlicher Stimme. Es kam das Wort „Jude“ vor, das Wort „brennt“ und noch mehr. Vom Vorabend. Anrufernummer unterdrückt. Ich beschloss, das anzuzeigen.
Das Polizeirevier in der Nähe tat sich schwer. „Wollen Sie das wirklich anzeigen?“, die Dame wand sich. Es war nicht viel los im Revier. „Das dauert, bis wir die Anzeige aufnehmen können“. Da wollte ich nicht bleiben, ich zog weiter.
Ein anderes Revier vor der Stadt war sehr viel ernsthafter. Freundlich und klar nahmen sie die Anzeige auf, bemühten sich, nahmen das Thema ernst, machten eine Aufnahme von der Aufnahme, ich fühlte mich wieder versöhnt mit dem Staat und seinen Vertretern. Nur vergaßen sie, mich die Anzeige unterschreiben zu lassen.
Sie riefen mich am Handy an, eine Streife fuhr zu mir ins Büro und brachte die Anzeige, ich unterschrieb sie. Ich fühlte mich wohl.
Dann dachte ich nach. Ich habe nie der Polizei meine Handynummer gegeben. Sie steht in keinem öffentlichen Verzeichnis.
Wir leben in einem sicheren Land.

Redakteur

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09. Dezember 2019, 21:57

Facebook: Sicherheit -4.0

eine kleine Selbsterfahrung zu Sicherheit und Unsicherheit bei einem Internetkonzern:

Kürzlich wollte ich, was ich selten tue, mal wieder Facebook benutzen.
Doch ich bekam über eine sehr schlicht aufgebaute und schlecht erklärte Seite mitgeteilt, mein Konto müsse überprüft werden. Begründung gab es keine.
Als erstes sollte ich einen Roboter Chapta Test machen, ok, das ging ja noch.
Dann sollte ich eine Handynummer angeben, über die ich den nächsten Schritt freischalte. Hier wurde ich misstrauisch: wozu braucht Facebook meine Handynummer? Ist das ein verdeckter Versuch des Datenmappings? Ist das eine Hacker Site?
Ich habe also erst einmal recherchiert, was es mit dieser Prüfung auf sich hat und fand heraus, es sei zumindest kein Hack ist, aber dubios, weil Facebook weder erläutert, wann und warum sie diesen Test machen, noch, was eigentlich dabei abläuft.
Schweren Herzens, ich hatte ja einen Grund, auf mein Facebook Konto zu wollen, gab ich eine Handynummer an und es ging wie versprochen weiter.
Nun wollten sie ein aktuelles, gut erkennbares Foto von mir haben, um mich zu identifizieren.
Nächste Zweifel: was geschieht da? Mein Account hat tatsächlich ein gut erkennbares Profilbild, aber bei anderen, die irgendein anderes Titelbild haben? Wie wollen die da etwas identifizieren? Was steckt hinter dieser „Prüfung“? Ein Sammeln guter Profilbilder für die Gesichtserkennung im weiten Internet?
Kurzentschlossen lud ich das Foto eines verstorbenen Freundes hoch, ich bin sicher, er verzeiht mir aus dem Jenseits diesen Frevel für einen guten Zweck. Facebook bedankte sich und erklärte, das dauere nun bis zu ein paar Tagen.
Zwei Tage später probierte ich es wieder und siehe da, das Konto war wieder freigeschaltet.
Was hat da jetzt wer gemacht? und mit welchem Grund? Wo landet welche Information? Und warum?
Vertrauen schafft das nicht … Und die Innovation? Ich kann keine erkennen. Es gab immer schon Schlamperei im Gefolge des Fürsten.

Redakteur

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08. Dezember 2019, 17:15

Aufmerksamkeit

Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Es zählt, gesehen zu werden, sich vorzudrängen. Das merken wir in der Politik: wichtiger als die Botschaft ist der Effekt. Positionen müssen verkürzt werden, Journalisten müssen Politik schlecht reden, um sich selbst darzustellen, der Opferkult im Sinne einer selbst definierten Gerechtigkeit hat Hochkonjunktur. Wir sehen es in der Werbung, da hatte das aber schon immer seinen Platz, wir sehen es in der Entwicklung von Geschäft: die meisten Investitionen laufen in die Ermittlung der maximalen Aufmerksamkeit, deswegen sind Facebook, Amazon und Google so erfolgreich.
Es ist eine Innovation, ja, weil die Effekte die Ideen verdrängen und der Hunger nach Gerechtigkeit und Belohnung immer größer wird. Es verändert die Spielregeln. Wir wissen noch nicht genau wohin, aber wir sollten es aufmerksam verfolgen. Denn eines geht in der Aufmerksamkeitsökonomie verloren: die Aufmerksamkeit - Die Fähigkeit der Menschen, Dinge konzentriert zu betrachten und zu hinterfragen.

Redakteur

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01. Dezember 2019, 22:12

Robo-Börse

Robo-Börse

Jetzt muss ich doch noch mal schwer stänkern. Die Süddeutsche Zeitung bewirbt seit einiger Zeit in einer ganzen Artikelserie schwer das Spekulieren mit Finanz-Bots. Programme, die für einen das optimale Börsenverhalten rechnen und auch gleich umsetzen. Das ist unterste Schublade Böse, sozusagen der direkte Pakt mit dem Teufel. Die Innovation dahinter ist das aushebeln des Geldes als Steuerinstrument einer Gemeinschaft und seine Verwandlung in ein dunkles Raubrittertum. Diese Bots lauern hinter jedem Risiko, das ein mutiger Mensch eingeht, um die Welt zu gestalten und rauben ihm in einem unbedachten Moment sein Geld. Diese Fonds sind das Verderben jeder Innovation, weil sie Risiken verhindern. Sie sind der Feind des Unternehmertums und dabei schlimmer als alle negativen Eigenschaften von Mafia, Sozialismus und Gottesstaat zusammen. Man kann auch sagen, sie sind so innovativ wie Crack. Dass die Süddeutsche Zeitung sie empfiehlt, ist echt schlimm für den Journalismus.
Sorry, das musste jetzt sein.

Redakteur

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24. November 2019, 20:45

Zukunft

Diese Woche war ich im Futurium in Berlin.
Ein großes Gebäude, gleich beim Hauptbahnhof. Es soll dem Menschen einen Eindruck einer möglichen Zukunft vermitteln. Betrieben vom Bildungsministerium.
Der größte Teil:
Wir erforschen die Welt, wir beseitigen Probleme, wir finden neue Lösungen, wir verstehen die Mechanismen der Natur und machen sie uns zu Nutze. Von der Zellforschung bis zur Bionik, von der Materialzucht aus Pilzen, Insekten als Nahrung bis zur Energie aus Kernfusion.
Der kleinere Teil: Wir erkennen die Zerstörung
Der ganz kleine Teil: wir empfinden das als soziale Wesen irgendwie alles unangemessen.
Es war gruselig.
Weit entfernt, von dem was wir gerade gesellschaftlich lernen sollten: Das wir in der Rolle als Krönung der Schöpfung einer fürchterlichen Hybris erlegen sind und Bescheidenheit üben müssten um zu überleben.
Wohin soll es führen, wenn wir dank Insekten als Nahrung auch 20 Milliarden Menschen ernähren können, dann sehr bald so viele sind und auch die Insekten nicht mehr reichen? Weil sie überzüchtet sind und krankheitsanfällig. Und wir gleichzeitig unser Leben verlängern, mit unendlichem Energiebedarf durch Roboter und andere Hilfsmittel.
Die Menschheit steht vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte: Die Anerkennung, dass das Prinzip der maximalen Ausbreitung nicht mehr arterhaltend ist.
Ich musste spontan an Jesus denken, der irgendwie in einer ähnlichen Situation war, dass ein überbordendes römisches Reich alles an sich gerissen hat. Und der einen radikalen Wertewandel losgetreten hat, der dieses Reich schließlich in die Knie zwang.
Vielleicht war das bei Jesus damals auch so, vielleicht war der deshalb so erfolgreich mit dem Ansatz, das Jenseits als Ort des Glücks zu nutzen, um das Diesseits von der Hybris zu befreien. Der Gedanke ist interessant.

Redakteur

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17. November 2019, 12:25

Delegation

Kürzlich habe ich in einem anderen Blog über Plattformökonomie geschrieben und mich mit der Delegation befasst. Digitale Lösungen bestehen ja aus 4 wesentlichen Bausteinen: Vernetzung, Automatisierung, Delegation und Prognose. Die Delegation wird dabei gerne übersehen, dabei ist sie fast das wichtigste. Hier geht es darum alle Prozessteile, die sich nicht automatisieren lassen, irgendwie abzuwälzen. Im Sinne von Selbstbedienungsgeräten wie etwa Kassen, Tanksäulen oder Tankkarten für Carsharing Benutzer oder mit Hilfe von gekauften Dienstleistern wie etwa die Menschen, die nachts die e-Scooter einsammeln, aufladen und neu verteilen oder andere, die nach Bedarf Maschinen warten, irgendwo draußen in der Pampa. Die Delegation erzeuge neue Märkte. Einmal durch die gekauften Dienstleister direkt und zum zweiten durch neu entstehende Dienstleistungen, die den Menschen die nervigen Selbstbedinungs-Arbeiten abnehmen. Über kurz oder lang wird so eine neue Macht entstehen, die zwischen den heutigen Digitalen Serviceanbietern und den Kunden steht, die begehrteste Position von allen. Die Schnittstelle zum Kunden ist der Platz für die Gewinner. Das Potenzial ist groß, geht es doch darum, irgendwie einen persönlichen Überblick über alle Dienste zu behalten, das sie zusammenpassen, dass man sie versteht, das man altes ausmistet, dass man nicht Unmengen Gebühren zahlt für irgendetwas längst vergessenes, dass man mit den Passwörtern klarkommt, … dass man die Digitalen Dienste als das nehmen kann, was sie sind: Dienste und keine Lebensbeherrschenden Einflüsse.
Wer jetzt investieren will, sollte an Services für genervte Digitalanwender denken.

Redakteur

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31. Oktober 2019, 21:31

Krankheiten

Ein bekannter Hedge Fonds Banker, ich habe leider vergessen wer, wies einst die Behauptung, Hedge Fonds nützten niemandem, empört zurück mit der Erklärung, die Fonds seien wie Krankheiten. Sie würden die Schwachen zur Strecke bringen und die Starken stärken. Und er hat mit dieser Aussage ziemlich Recht. Da finde man das Leben als Krankheit beneidenswert oder nicht.
Finanz-Bots sind etwas ähnliches. Algorithmen, die alle möglichen Daten rund um die Börse analysieren und Muster erkennen, nach denen sie in kleinsten Zeiträumen Gewinne abschöpfen. Keine hohen, aber dafür sehr oft und völlig unverdient. Man kann das vergleichen mit jemandem, der durch ein Restaurant geht und allen das Essen wegnimmt, die nicht schnell genug ihren Teller festhalten.
Das hat die gleichen Verhaltensmuster wie eine Krankheit, ein Virus, das sich von unserer Energie ernährt, und beides ist gleich innovativ. Sie verändern ihr Umfeld stark – unmittelbar, beim kranken Wesen, ebenso wie indirekt, indem sie Verhalten verändern und Forschung initiieren, man denke an Prävention, Ansteckungsvermeidung, Medikamente – es entsteht ein großer Markt durch Krankheiten. Wer soll jetzt sagen, sie seien schlecht?

Redakteur

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05. Oktober 2019, 20:52

Wissenschaft

Eine schwerwiegende Frage: Ist Wissenschaft innovativ? Aus heutiger Sicht würde ich sagen, nein. Das hat zwei Gründe: Wissenschaft ist heute ein bis ins Detail durchorganisierter Apparat, der nach strengen Regeln funktioniert, die eifersüchtig überwacht werden. Jede Aussage muss belegt werden, wer ohne Referenzen spricht, dem wird nicht geglaubt. Das Verhindert neue Gedanken und Querverbindungen, das sorgt für immer tiefere Gräben des Expertentums in den für sich abgeschotteten Disziplinen.
Der Zweite: wir sind Faktensüchtig. Wir glauben nur was gemessen wird, das dafür ohne zu Zweifeln. Die Wissenschaft hat sich daher ins Experiment zurückgezogen und misst immer detaillierter irgendwelche Randerscheinungen des Seins. Doch dort gräbt sie sich nur tiefer ein. Denn es sind die Theorien, die Innovation bringen. Die sich über das Gemessene erheben und das Vorgefundene neu betrachten, aus einer gewissen Distanz, die die Experten und Experimentatoren gar nicht mehr kennen.
Wenn wir in der Wissenschaft echte Innovation wollen, müssen wir uns mit Theorien befassen. Nicht mit Fakten.

Redakteur

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27. September 2019, 22:11

Ideen

Die Geburtswiege der Innovation sind Ideen. Das hat zwei wichtige Aspekte. Der erste: Die Idee ist präfaktisch. Sie kommt aus dem Nichts oder aus der Not oder sonst woher, wird jedenfalls in ihrem Ursprung niemals aus Fakten abgeleitet. Die Idee ist vielmehr das Menschliche am Menschen: die Fähigkeit, sich eine Wirklichkeit jenseits der Fakten zu schaffen und auf dieser Basis einen Raum zu öffnen, der erst so etwas wie Rechtsprechung, Geld, Glaube oder Vertragswesen ermöglicht.
Der zweite: Ideen sind individuell. Jeder Mensch hat seine eigene Welt von Ideen, Vorstellungen und davon abgeleiteten Wahrheiten und diese prägen ihn viel mehr als alles Reale. Und Gemeinschaft entsteht aus gemeinsamen Ideen. Sie halten Menschen zusammen und sie befähigen Menschen zu Dingen, die sie sonst niemals auch nur wagen würden.
Es sind daher die Ideen, um die es geht. Um die Ideen müssen wir streiten und den Weg zu gemeinsamen Ideen suchen. Nicht um die Fakten.

Redakteur

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