Der Digital-Soziale Tornado

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Der Blick in die Zukunft kennt viele Perspektiven - Glaube, Schönheit, Geld und Technik - dahinter verbergen sich Fragen wie kommerzielle Interessen, das Verständnis von Recht, die Sicht der Verbrecher, unterschiedliche Wahrnehmungen und Träume.

Neuausrichtung im Jahr 2019: Digitale Dramen

Der Verlauf der Menschheitsgeschichte spiegelt sich im Drama. Die Erzählform, die das, was geschieht, in all seiner Widersprüchlichkeit und Konfliktbeladenheit wiedergibt. Groß geworden im alten Griechenland, wiederentdeckt nach der Renaissance und heute im Wesentlichen aus Filmen bekannt, seine originale Bühne, das Theater, kennen nur noch wenige.

Das Drama unterscheidet sich vom Heldenepos dramatisch. Das eine ist voller Zweifel und Nachdenklichkeit, das andere vollere Bewunderung für ein Vorbild. Der Heldenepos spricht für ein gläubiges Publikum, das Drama für jenes, das bereits hinter den Glauben gesehen hat und sich von seinen Göttern emanzipiert.

In den Digitalen Geschichten stecken wir heute noch im Heldenepos, ab und zu durchdrungen durch Schurkengeschichten, eine Vielgötterei hinter der wir herrennen um herauszufinden, welcher der Götter uns wohlgesonnen ist. Das wird nicht ewig währen. In der Antike hat der Trojanische Krieg die Heldengeschichten abgelöst, in der Neuzeit der Dreißigjährige Krieg. In der Digitalen Welt haben wir andere Konfliktmöglichkeiten, aber wir sollten anfangen, die Digitale Welt auch in Dramen zu denken. Eine neue Richtung der Innovation.

Ich werde daher denn Schwerpunkt dieser Website auf diese Dramen verlagern – angefangen mit dem Cartoon-Projekt „Digital Sozialer Tornado“.

Der Innovationsblog bleibt bestehen, wird aber sein Tempo reduzieren.

 

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23. Februar 2020, 21:23

Streit

Eine uralte Erfindung der Sozialen Gemeinschaft ist der Streit. Gedanken, Wahrnehmungen und Ideen unterschiedlicher Natur prallen aufeinander und müssen irgendwie ausgetragen werden um es weiter miteinander auszuhalten. Das endet je nachdem im Kompromiss, in Unterdrüsckung, in Krieg oder sonstwie und dieser Vorgang wiederholt sich seit Anbeginn der Menschheit immer aufs Neue.
Denn er ist ihr Antrieb. Streit ist Innovation! Nur durch den Streit entwickelt sie sich, verändert sie sich, versteht sich selbst halbwegs während sie Welt sich ebenfalls permanent verändert. Der Streit sorgt dafür, dass wir überlegen, was wir wollen und wer wir sind und es uns nicht bequem machen im Zustand wie er ist.
Wer streitet ist verletzlich. Wir haben daher zuletzt versucht, den Streit abzuschaffen. Durch das kollektive Festlegen auf eine gefühlte Wahrheit, durch immer feinere Regularien, die uns vor jedem Unbill schützen und durch Digitale Verfahren, die ausrechnen, wem was zusteht. Wir haben dabei unsere Urkompetenz, den Konflikt, abgegeben.
Dadurch ist der Populismus entstanden. Ein paar streitlustige Wüstlinge haben die Schwäche des nicht mehr streiten Könnens erkannt und einfach draufgehauen. Lustvoll und begleitet vom Gejohle einer Anhängerschaft, die plötzlich wieder Leben spürt, egal mit welchen Werten.
Als aktuelles Beispiel: Das Drama von Thüringen lösen wir nicht durch Nachgeben und nicht durch das Vermeiden von Streit, sondern wir lösen es durch deutlich machen von Positionen. Erst wenn das geschehen ist, ist ein Kompromiss möglich. Das macht derzeit die Linke gut aber auch Paul Zimiak von der Union, der sogar kurzfristig herbe Verluste akzeptiert.
Die Aufgabe der Medien wäre es jetzt, so einen Streit souverän zu moderieren. Das schaffen sie leider derzeit nicht, weil sie, anstatt die Rolle des Moderators einzunehmen, sich lieber selbst in den Mittelpunkt der Show stellen um die Politiker vorzuführen wie Bullen am Nasenring. Das ist derzeit deren Problem.

Redakteur

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16. Februar 2020, 18:16

Evolution

Sind Innovation und Evolution Verbündete oder Gegner? Schwer zu sagen. Währen Innovation versucht, durch kreative Kraft die Welt zu verändern, überlässt die Evolution das Kreative dem Zufall und der unendlichen Vielfalt der Möglichkeiten.
Was wir dabei bedenken sollten: Das Wirkprinzip der Natur und damit allen Lebens ist die Evolution. Auch wenn einige an den „Creative Designer“ glauben, die Göttliche Gestalt, die sich die Welt weise so ausgedacht hat, wie wir sie erleben, aber das ist dabei egal, denn dieser Creative Designer entzieht sich unserem Einfluss sogar noch mehr als die immerhin sehr irdische evolutionäre Kraft.
Das Gesetz der Evolution ist bekannt: „survival oft he fittest“ – die Anpassungsfähigsten überleben. Dabei geht es um die Rahmenbedingungen, an die es sich anzupassen gilt und die sich fortwährend ändern. Aus einer eigenen Dynamik heraus oder aufgrund irgendwelcher Ereignisse, die wird üblicherweise Katastrophen nennen. Das hat nichts mit Innovation zu tun, die einzelne Aspekte kreativ entwickelt, in der Regel um eine bestimmte Situation in ihrem Kontext für bestimmte Beteiligte zu verbessern. So ist beispielsweise die Innovation der Mausefalle nur aus der Perspektive der Menschen eine Verbesserung, aus der Perspektive der Maus stellt sich das völlig anders dar.
Innovation scheint in diesem Spiel das Verschieben der Macht zu sein, tatsächlich ist Innovation aber nur das Verändern der Rahmenbedingungen. Auf diese Veränderung wiederum reagiert die Evolution, mit unendlichen Versuchen, in der Regel mit unvorhersehbaren Effekten, wie etwas resistenten Keimen als Reaktion auf Antibiotika. Das bedeutet nicht, dass Innovation schlecht ist, nur sollten wir uns bewusst sein, dass das kreative Design der Innovation sicher häufig schön ist, doch nie vollkommen. Das ist wenn dann einem Wesen vorbehalten, das wir nicht sind und wären wir es, wäre es das Ende des Lebens.

Redakteur

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09. Februar 2020, 12:17

Der Fehler der Linken

Die ganz große Erfolgsgeschichte der letzten 50 Jahre ist die Linke. Entfesselt im Jahr 1968 hat die damalige junge Bildungsschicht sich von den Konventionen befreit, allen voran der der Religiösen, konsequent neue, humanistisch säkulare Positionen eingeübt und diese im Marsch durch die Institutionen hartnäckig durchgesetzt. Sie haben die Welt auf eine nie dagewesene Art und mit einem nie dagewesenen Erfolg verbessert. Im Sinne von Friedlichkeit, Wissenschaftlichem Fortschritt, Lebensqualität.
Und doch scheitert sie gerade. Und sie versteht nicht warum.
Das Problem ist, dass die Linke ein nahezu perfektes Wissen von Richtig und Falsch erzeugt hat. Sie ist nicht mehr in der Lage, an sich selbst zu zweifeln, sondern schafft es nur, sich über die anderen aufzuregen, die sie plötzlich rechts überholen. Mit oft brutalen, menschenverachtenden, verlogenen, ehrlosen Mitteln.
Was ihr verloren gegangen ist im streben nach der perfekten Gesellschaft ist die Großzügigkeit. Das Zulassen von Fehlern, das Zulassen von Andersartigkeit und dem Willen, anders zu denken ohne sofort von einem übermächtigen Verhaltensregulatorium geschluckt zu werden.
Die Linke ist in Ihrer Macht vergleichbar mit der katholischen Kirche vor der Renaissance. Aber die Menschen leben davon unvollständig zu sein, und das tun sie gerade.

Redakteur

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09. Februar 2020, 12:00

Kulturland

Innovation hat viele Aspekte und vor allen Dingen viele Feinde. Und das ist gut so. Innovation ist letztendlich nichts anderes als Evolution und die lebt davon, dass sie alles Neue mit brutaler Gnadenlosigkeit auf die Probe stellt und nur sehr wenige große oder häufig sehr kleine Änderungen überleben lässt.
Das ist das Dilemma der heutigen Zeit. Sie ist innovationssüchtig, harrt begierig auf das „next big thing“, das neue sensationelle Stars wie Apple, Facebook oder Google hervorbringt oder, noch besser, diese titanenhaft bekämpft. Auf der anderen Seite hängt die Gier der Zeit in einer selbstgestellten Falle: Geld will mehr Geld werden durch ständig neue Attacken auf dem Technologiemarkt und die erfolgreichen Technologieunternehmen kämpfen verzweifelt um ihr Innovationsimage um ihren Aktienkurs oben zu halten. Dazu müssen sie laut sein, groß sein, permanent begeistern.
Die ungemähte Wiese der Tech-Themen ist erst einmal abgegrast und übrig sind im Wesentlichen schwer verdauliche Pflanzen. Die Revolution ist vorbei, jetzt sind erfolgreiche Farmer gefragt. Wie mache ich aus dem, was wir da geschaffen haben, Kulturland? Nach dem Gemetzel der ökonomischen und sozialen Disruption. Bildhaft gesprochen haben wir zuletzt begeistert den Regenwald abgebrannt und sollten uns als nächstes überlegen, wie wir einerseits ohne weiteren Raubbau weitermachen, andererseits auch, wie wir wieder aufforsten.
Es sind die kleinen Dinge, es ist das Beschäftigen mit dem, was Kulturland ausmacht: das Zusammenspiel derer, die beteiligt sind, das gemeinsame Interesse, auch das nachgeben Können, im Sinne des Ganzen. So entsteht Erfolg in einer Zeit nach der Revolution.

Redakteur

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08. Februar 2020, 19:04

Grenzen

In letzter Zeit erlebe ich immer öfter kleine Fehler. Chat-Tools geben falsche Zeiten an, wann Anwender zuletzt online waren, Termineinträge verschwinden auf dem Smartphone, CarSharing Fahrzeuge lösen sich plötzlich in nichts auf … . Und ich frage mich, woran das liegt. Tatsächlich ist es offensichtlich: Es liegt an der Komplexität der Welt. Und daran, dass einzelne Teile sich unabhängig voneinander verändern. So schleichen sich Fehler ein, weil auf einmal ein Informationsfluss unterbrochen ist, ein digitales System das andere missversteht – ganz normal, wie unter Menschen auch.
Die große Frage ist ja dann, was das bedeutet. Die Antwort ist ebenfalls offensichtlich: mache die Dinge nicht zu komplex! Speziell die digitalen Lösungen, auf die wir uns gerne verlassen würden. Das entspricht auch meiner Industrieerfahrung. Am besten funktionieren die Dinge, die sich gut abgrenzen lassen. Danach kommen die Dinge, die von Natur aus Fehlertolerant sind, weil irgendwo dich wieder ein Mensch die Entscheidungen übernimmt.
Am schlechtesten funktionieren die, die über unterschiedliche Themengebiete hinweg automatisieren wollen. Es ist eigentlich ganz einfach und steckt dennoch voller unendlicher Möglichkeiten.

Redakteur

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26. Januar 2020, 22:54

Car Sharing

Eines der interessantesten Innovationsmodelle der letzten Zeit ist gerade in einer kritischen Phase. Carsharing geht in die Konsolidierung. Ich war bisher zufriedener DriveNow Kunde und erlebe mit Schrecken den Merger mit Car2Go und die anstehende Vorbereitung für einen Verkauf an einen Finanzinvestor. Der Merger war schrecklich schlecht. Offenbar war es nicht möglich, die Datenbanken zusammenzuführen, also wurde man als Kunde ständig mit widersprüchlichen Informationen verwirrt. Dann wurde alles nach „ShareNow“ übertragen, in der Phase sind mir immer wieder schon gemietete Autos auf dem Weg zum Abholen verschwunden. „ShareNow“ ist nun eindeutig unter der Devise betrieben: „wie schlecht kann ich sein, dass die Kunden trotzdem kaufen“. Permanent falsche Fahrzeuglisten, ewig lange Wartezeiten bei Öffnen und Schließen der Fahrzeuge, verwirrende Anzeigen – es wird gespart. An Ressourcen und an Intelligenz. Der Dauerbrenner „prüfen Sie den Reifendruck“ ist weiterhin ungelöst – aber wer fährt schon, wenn er es eilig hat zum Flughafen zu kommen, zur Tanke und kämpft mit dem Luftdruckgerät, nur um festzustellen, dass der Sensor mal wieder viel zu empfindlich war?
Es könnte so schön sein, aber womöglich scheitert es am Prinzip der Allmende: was allen gehört, wird nicht gepflegt, sondern nur ausgebeutet.

Redakteur

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23. Januar 2020, 21:59

Oyster Card

Ich war die letzten Tage in London. Und wie alle dort war ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Es ging super. Und das beste daran ist die Oyster Card. Die Londoner haben es geschafft, ein digitales Angebot zu machen, das einfach und zuverlässig funktioniert, fair ist und nicht in die Privatsphäre eingreift.
Wer es noch nicht kennt, es ist ganz einfach: Man kauft eine Oyster Card, das ist eine ID Karte, die mit einem Konto verbunden ist. Die Das Konto lädt man an einem Automaten auf und vor und nach jeder Fahrt meldet man sich mit der Karte am Ein- oder Ausgang der Station an beziehungsweise ab. Das System berechnet automatisch den günstigsten Tarif, sogar über alle Fahrten eines Tages hinweg.
Es ist anonym, weil Karte und Träger nicht in Verbindung stehen, und superpraktisch. Es setzt dem System der Karte eine klare Grenze, die jeder versteht und vermischt nicht alle möglichen Datenströme, die dabei zu undurchschaubaren Prozessen führen, die erstens die Vertrauenswürdigkeit und zweitens die Stabilität des Systems hintertreiben. Nein, vielmehr ist das System super robust, schnell und zuverlässig. Das ist es, was wir uns in einer offenen Gesellschaft wünschen.

Redakteur

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16. Januar 2020, 22:52

Effizienz und Evolution

Das große Leitbild der Digitalisierung ist die Effizienz. Dinge messbar und erlebbar schneller, einfacher, wirkungsvoller zu machen. Nun findet aber Effizienz wie viele andere Eigenschaften immer in einem Kontext statt, innerhalb dessen sie erfahren wird. Schneller als, einfacher als … nimmt man sie aus diesem Kontext heraus, landet man bei Sätzen wie „Nachts ist es kälter aus draußen“.
Evolution ist da völlig anders gelagert. Evolution ist maximal ineffizient, weil sie einerseits wahllos Veränderung probiert, andererseits alles und jedes unter all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern versucht. Jede Neuerung wird gnadenlos den Gefahren der Wildnis ausgesetzt und nur was nicht gefressen wird, nicht erfriert, erstickt, verkocht, ertrinkt und auch nicht verdrängt wird, überlebt.
In der Regel gewinnt am Ende die Evolution.
Das ist wichtig, bei der Effizienz zu beachten. Die Dinge müssen unglaublich robust sein, um zu überleben.

Redakteur

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05. Januar 2020, 21:07

Einkommensabhängige Parkgebühr

Angeblich eine Idee des VDA. Reiche sollen in Städten höhere Parkgebühren bezahlen. Damit soll der soziale Ausgleich beim knapp verfügbaren Gut „Parkplatz“ geschaffen werden.
Eine sehr seltsame Idee. Die sehr viele Fragen nach sich zieht. Soll der gesamte öffentlich Raum bewirtschaftet werden? Also das Prinzip des öffentlichen Raumes als frei verfügbares Gut abgeschafft werden? Soll die Parkplatzvergabe personalisiert werden? Also eine durchgängige Verfolgung stattfinden, wer wann wo parkt? Und das ganze noch mit einer Vermögensauskunft gekoppelt werden? Jetzt wird es absurd.
Es ist schön, wenn sich Branchenverbände Gedanken über die Gesellschaft machen, aber mit solchen Ideen, die einen gutmenschlichen Anstrich haben aber keinerlei Bewusstsein für eine freie Zivilgesellschaft enthalten - das ist dann doch sehr peinlich. Vielleicht waren die Urheber zu lange in China.

Redakteur

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27. Dezember 2019, 21:56

Meeresboden

Diese Woche in der Zeitung: ein Bremer Institut hat ein Verfahren zur Kartierung des Meeresbodens entwickelt. Eine Art Google Street View für die Unterseewelt. Im rasenden Tempo kann der gesamte Meeresboden abfotographiert und eine globale Fotokarte erstellt werden. Das sei für den Umweltschutz, um herauszufinden, wo was geschieht. Als Kontrollwerkzeug. Das meinen die wirklich.
Das ist ungefähr so naiv wie zu sagen, Glyphosat sei gut für die Böden.
Diese Technologie wird die Ausbeutung des Meeresbodens beschleunigen wir keine zuvor. Investoren werden in kürzester Zeit Zielgebiete orten, es wird gegraben werden, gebohrt, gesprengt.
Kontrolle bedeutet Beherrschen und Beherrschen bedeutet Ausbeuten. Das ist das Gesetz des Marktes. Und nichts anderes herrscht auf dem Meeresboden, abgesehen von Riesenkraken, die es aber bald nicht mehr geben wird. Der Kartierungstechnik sei Dank.

Redakteur

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